Archiv
29.01.2012, 18:16 Uhr
CDU erfreut: Die Südwestfalen sind im Internet vorne dran statt „hinterm Wald“
„Für bürgernahe Politik kann Facebook den Festbesuch nicht ersetzen“

In Südwestfalen nutzen einige Bevölkerungsgruppen das Internet deutlich aktiver als der Durchschnitt. Einkaufen im Internet ist landesweit bei der Hälfte der „Taschengeld-Generation“ der heute 14-19jährigen üblich, zwischen Medebach und Meinerzhagen aber sogar für zwei Drittel der Jugendlichen. Das Internet gleicht für junge Leute aus, was sie an Zugangsmöglichkeiten zu Geschäften mit Trendprodukten vor der Haustür nicht haben. Diese Fakten präsentierte als externer Experte Andreas Wolff, Meschede, der sich als 32jähriger Unternehmer nach verantwortungsvollen Marketingaufgaben bei Porsche und Veltins 2011 selbstständig gemacht hat. Die von ihm herangezogene Untersuchung umfasst ganz Deutschland mit  rund 550 Befragten allein in Südwestfalen.

Dr. Stephan Eisel von der Konrad-Adenauer-Stiftung referierte vor dem CDU-Bezirksvorstand.

Auch bei den Internetaktivitäten der 30 bis 40jährigen könne bei insgesamt hohen Werten für die ganze Bevölkerung (noch) ein Vorsprung der Südwestfalen ausgemacht werden, informierte sich der CDU-Bezirksvorstand Südwestfalen auf einer Klausurtagung in Balve. Hier befassten sich die Politiker aus den fünf Kreisen zwischen Soest und Siegen unter anderem mit „Internet und Politik“.

„Für die CDU der Region ist das ein klarer Auftrag, weiter darauf zu drängen und Entscheidungen dafür zu treffen, dass schnelles Internet rasch ganz Südwestfalen abdeckt“, so Bezirkschef Klaus Kaiser. „Weiße Flecken der Breitbandversorgung darf es nicht mehr geben, die bisher von Telekom & Co. links liegen gelassen wurden“, sind sich Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordnete der Südwestfalen-CDU einig, meint die stellvertretende Bezriksvorsitzende, Landrätin Eva Irrgang.

„Rauf auf die Datenautobahnen müssen auch Parteien und Abgeordnete“, führte der Internet-Beauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Stephan Eisel, den rund 40 CDU-Politikern der regionalen Parteiführung vor Augen.

„Hier haben Politiker heute Chancen, für Ihre Überzeugungen und Ziele so direkt mit Menschen in Verbindung zu treten, wie nie zuvor“, so Eisel. Damit steige aber auch die Anforderung an Sorgfalt bei den Argumenten und Geradlinigkeit im Auftreten für Parteien und ihre Vertreter: Politik auf der Datenautobahn sei insofern so „unverzichtbar wie unfallgefährdet, denn „das Netz vergisst nichts“.

Eisel warnte zugleich vor zu hohen Erwartungen von Kommunal- und Landespolitiker an die online-Welt. Das Internet sei für die meisten Nutzer vor allem ein Markt- und Spielplatz: „Politik ist hier noch eine Nische. Ratgeber, bunte Nachrichten, Spiele und Einkaufsmöglichkeiten liegen klar und weit vor den Klicks für Politisches“.

Thorsten Schick, CDU-Kreisvorsitzender im Märkischen Kreis und stellvertretender. Bezirksvorsitzender sehen auch Risiken einer soziale Spaltung: „Akademische Jobs und Büroberufe mit PC-Zugang am Arbeitsplatz sind oft typisch für politisch aktive im Internet“. Wer einen Bus fahre oder Altenpflege leiste sei für den Blick ins Netz wirklich nur auf seine knappe Freizeit begrenzt. „Für die CDU auf Gemeindeebene ist eine intensive Internetarbeit noch ein schwieriger Spagat“, so der stellvertretende. Bezirksvorsitzende Thorsten Schick: „Für viele unserer Mitglieder ist das Aufwand, der zusätzlich zu Beruf, Familie und Ehrenamt in Vereinen, Partei und Rat geleistet werden muss. Die Bereitschaft, zu den Bürgern in Vereine und aufs Schützenfest zu gehen, bleibt deshalb für uns auch weiter so wichtig wie Fingerfertigkeit am PC oder Smartphone“.

Noch immer habe rund ein Drittel der Deutschen keinen Netzanschluss, führte Eisel aus. Mit statistischen Tricks machten sich Netzwerke größer als sie sind. bei Facebook werde jeder, der sich auch nur einmal auf sein Profil einklickt, als aktiver Nutzer geführt. Daher sollten Politiker das Internet zwar ergänzend als „Griff an den Puls der Gesellschaft“ nutzen, aber sich nicht von Fiebererscheinungen im Netz treiben lassen: „Online-Umfragen sind fast nie repräsentativ für die Bevölkerung“. Auch online-Politik in Kommunen wie bei den „Bürgerhaushalten“ stehe noch auf schwachen Füßen. Zu wenig machen mit und niemand kann prüfen, ob die online-Stimmen überhaupt von Gemeindebürgern kommen, wenn eine e-mail zur Registrierung reiche.


aktualisiert von Guido Niermann, 30.01.2012, 19:44 Uhr